(Drei-)Phasen-Modell

shutterstock_Balazs_Kovacs_ImagesMein Antrieb hier zu schreiben, begründet sich vorrangig dadurch, dass es mir hilft all die zu Beginn noch wirren Gefühlsregungen in mir zu ordnen, ihnen eine Struktur zu geben und mich dadurch (besser) zu verstehen. Da ich mich aktuell in einer Trennungsphase befinde, gibt es von diesen wirren Gefühlsregungen eine Menge, die gerne auf (das digitale) Papier gebracht werden möchten. Vorneweg möchte ich gerne noch sagen, dass diese Beziehung mit diesem für mich so wunderbaren und besonderem Menschen ein Geschenk und mit keiner der vorhergehenden Begegnungen vergleichbar war. Daher ist auch die Trennungsphase für mich absolut neu, aufregend interessant und ich kann auf nichts Altbekanntes zurückgreifen, was mich verunsichert und manchmal auch ängstigt.

Aber erstmal alles auf Anfang: Anfang Dezember trennte sich mein Liebster nach vier Jahren gemeinsamer Zeit von mir. Ich war nicht überrascht, weil das bedeutet hätte, die Augen vor unserer (Beziehungs-)Realität – die durchaus ihre Knackpunkte hatte – zu verschließen, welches nicht meinem Wesen entspricht, aber geschockt war ich schon bzw. hat es mich in einen ebensolchen versetzt. Ich war noch nicht bereit mich zu lösen und noch ganz in der Liebe, in der Hoffnung. Aber das Leben passiert eben und so sagte er die Worte, die meinem Herzen einen Riss verliehen:

„Die Liebe ist weg.“

Die kommenden Tage waren vor allem durch ein Tal der Tränen und reichlich Schlafentzug gekennzeichnet. Wie ich mein Arbeitspensum in dieser Zeit schaffen konnte, ist mir ein Rätsel und zeigt gleichzeitig auf, wie viel wir in der Lage sind zu leisten und/oder über uns hinaus zu wachsen. Und ich glaube meine Seele hat die Ablenkung und das unter Menschen sein auch gebraucht. Insgesamt würde ich diese Phase als den „tiefen Schlaf“ bezeichnen, weil ich teilweise sehr neben mir gestanden habe und keinerlei Zugriff auf meine Erinnerungen hatte – so als hätte es ihn und unsere Beziehung nie gegeben. Da hat mein Unterbewusstsein mich wohl vor noch mehr Emotionen geschützt. Angefühlt hat sich diese Zeit wie Verliebtsein, nur umgekehrt: aufgeregt, angespannt und schlaflos, mit weniger Endorphinen und mehr Adrenalin sowie Cortisol im Körper. Diese Phase hat ungefähr sieben Wochen angehalten und seit knapp einer Woche bin ich in einer neuen.

Kurt Lewin würde diese Phase als Unfreezing-(Auftau-)Phase bezeichnen: Meine Erinnerungen sind wieder da – von Tag eins unseres Kennenlernens bis zum letzten, angefüllt mit allen Emotionen und Gefühlen, die an die jeweilige Erinnerung und Erfahrung geknüpft sind: und damit auch die Traurigkeit über das Verlorene und die Hoffnung auf ein Wiederfinden, welches meiner Seele und Entwicklung sicherlich nicht zuträglich wäre. Auf jeden Fall bereite ich mich jetzt auf diese Veränderung vor, wird mir bewusst das sie stattfindet, das ich mein Leben nun wieder ganz alleine sowie neu organisieren und leben muss und ja auch darf. Dies fällt mir unter der Woche, wo der Tag Struktur und Aufgaben hat, leicht. Problematisch wird es dann am Wochenende, wenn so viel frei verfügbare Zeit vor mir liegt – so viel Zeit mit mir alleine, mit mir und meinen Gedanken und Gefühlen. Das macht mir schon Angst und ganz gewöhnt habe ich mich weder an diese Wochenenden noch an diese Gedanken. Ich bin mal gespannt, wie ich durch diese Zeit komme und welche Phase als nächstes folgt. Ich halte euch auf jeden Fall auf dem Laufenden.

Nach Kurt Lewin folgt auf die Unfreezing-, die Changing-(Bewegen-)Phase. Diese ist dadurch gekennzeichnet, das die Änderungen die sich gezeigt haben und anstehen, auch durchgeführt und umgesetzt werden. Danach schließt sich die letzte Phase des sozialen Veränderungsmodells an, die Refreezing-(Einfrieren-)Phase. In dieser Phase gewöhnt man sich um, und passt sich ganz in die neuen Begebenheiten ein – so dass das Ungewohnte zum natürlichen Bestandteil der neuen Lebenswirklichkeit wird. Und darauf freue ich mich bereits jetzt schon sehr. Das Leben ist doch ein Abenteuer oder was meint ihr?

Eure Belinda

Literaturhinweis: Kurt Lewin (1947): Frontiers in group dynamics, Human Relations, 1, 5-41

Advertisements

3 Kommentare zu “(Drei-)Phasen-Modell

  1. schon spannend, dass solche phänomene wie dieser schmerz, den die trennung verursacht, etwas ist, das quasi „nach lehrbuch“ abläuft. ich habe damals in etwa das gleiche empfunden, nur kann ich mich an die worte nicht mehr erinner. sehr wohl aber an den moment, in dem ich begriffen habe, was hier gerade passiert. ich glaube nicht, dass ich das jemals vergessen werde. als würde glas splittern.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s