Herzensheimat

Lieber HS,

als wir uns kennenlernten, war ich 14: gerade von der ersten großen Liebe verlassen, emotional verwirrt, desorientiert und wie so viele von uns auf der Suche nach Liebe, Anerkennung, Gesehen werden – eben Herzensheimatlos. Und du warst da, botest dein Herz zum Besten, schenktest es mir lange lange Zeit und gabst mir alles, was ich so sehnlich vermisste – gabst meinem Herzen ein Zuhause.

Ich war die Frau in deinem Leben, konnte es aber nicht auf die gleiche Art erwidern: In den Momenten in denen du mich liebtest, liebte ich dich auch – aber als Freund, als Bruder, nicht als Mann, potentieller Partner. Sobald du dein Herz jedoch an jemand anderen verschenken wolltest und es auch tatest, fühlte ich anders – der Gedanke, dich scheinbar zu verlieren und dir nicht mehr auf die gleiche Art nah sein zu können, war schier unaushaltbar für mich. Und sobald ich mein Herz verschenkte, warst du weg von meinem Radar, nicht mehr sichtbar auf dem Herznavi. Sind wir beide jedoch ohne Besetzung und bewegen uns verloren im L(i)ebenskosmos, scheint es fast so, als fängt es an die Position des anderen zu lokalisieren und beginnt zu blinken. Ich bin mir sicher du spürst es auch, das Pochen in den Adern, die Erregung unter der Haut und der Gedanke an den anderen. Und doch kam irgendwie nie unsere Zeit oder wir haben sie einfach immer gut verpasst. So als wären wir zwei Magnete: Auf Entfernung voller Anziehung und bei Nähe, dreht sich eine Seite und wir finden nicht zu einander.

shutterstock_Annette_ShaffUnd so zog es sich wie ein roter Faden durch mein Leben: Immer wieder waren wir uns nah, sehr nah und uns gleichzeitig so fern, in und und um uns herum – körperlich und seelisch, teilten so vieles miteinander und haben so vieles voreinander versteckt – alles und nichts, und finden nicht zueinander. Ich weiß nicht, ob ich bereit wäre mich für die Vorstellung, das du vielleicht der Mann in meinem Leben sein könntest, zu öffnen aber mir fehlt, dass wir es nie versucht haben. Das ich es nie versucht habe, versucht mich darauf – auf dich – einzulassen. Und so fehlt mir deine Nähe noch immer ein bisschen- der Ort an dem mein Herz vielleicht seine Heimat gefunden hätte. Aber dieses eine Leben, mein Leben ist zu kostbar, um darauf zu warten – vielleicht auch weil dieses „nicht zu einander finden“ das Zeichen für genau das ist, was es ist: Du und ich, wir beide sind nicht für einander bestimmt. Und so warte ich nicht länger auf das (Faden)Ende – sondern lebe jetzt und öffne mich für die Möglichkeit, das mein Herz seine Heimat nicht bei dir, sondern ganz woanders findet.

Alles Liebe
Belinda

 

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