Wortlos

Hallo Liebster,

meine Seele sagt, dass es jetzt doch an der Zeit ist, dir zu schreiben. Also gehe ich dem nach.

Ich war die ganze Zeit so sehr damit beschäftigt dich nicht mehr lieben zu wollen, dass ich fast nicht bemerkt habe, dass ein Teil in mir es noch tut. Das habe ich gestern gespürt als ich deinen Vater – eine indirekte Verbindung zu dir – am Telefon hatte. Und auf einmal war all die Wut, die ich auf dich hatte weg und nur der Schmerz und die Sehnsucht nach dir blieb. Ich akzeptiere unser Ende und deine Entscheidung, gehe voran, nehme meine Projekte in Angriff und setze sie um (der Blog steht und auch die Website, die Ausbildung schreitet voran und ich habe neue Kontakte geknüpft und Freunde gefunden). Mir geht es gut – bis auf diesen Teil in mir, der noch nicht vollständig loslassen kann, weil da noch Fragen in mir sind, auf die ich alleine keine Antwort finde und vielleicht auch nicht finden werde. Aber ich möchte aufwachen aus dem Dornröschenschlaf, mich frei strampeln von dir. Und das hier ist ein weiterer Schritt:

Mir ist klar geworden, dass ich dich nie vollständig so angenommen habe wie du bist – weil auch ich mich nicht komplett akzeptieren konnte wie ich bin und weil ich so wahnsinnige Angst vor dem Ende des „Wir“ hatte, dass ich alles kontrollieren wollte, auch deine Themen etc. Und obwohl dein „Liebesverlust“ keine Überraschung für mich war, war es doch ein Schock und ich habe mich wirklich angestrengt damit und mit dir der Situation angemessen umzugehen. Aber am Ende musste ich feststellen, dass ich dem eindeutig nicht mehr gewachsen war und ich keine Kraft mehr hatte, dass weiter durchzustehen, daher auch meine Bitte an dich zeitnah auszuziehen. shutterstock_Andrii_MuzykaEs war einfach schmerzhaft, wie du mit mir umgegangen bist – all die Stille, Ferne und Fremde zwischen uns – und ich hatte auch das Gefühl dass du nicht ehrlich zu mir warst, dich nicht an unsere Abmachungen gehalten hast, was mich sehr verletzt und wütend gemacht hat. Bis heute habe ich nicht verstanden warum du nicht mit mir geredet hast, warum du nichts gesagt hast – vorher und hinterher, warum du mit anderen Menschen darüber sprechen konntest, worüber du mit mir nicht sprachest. Bis heute glaube ich, dass du mir nicht gesagt hast, was eigentlich wirklich in dir passiert ist, wann du angefangen hast mich nicht mehr zu lieben, dich mit dem Gedanken zu beschäftigen einen anderen Weg, einen Weg ohne mich zu gehen. Und ich verstehe nicht, warum du es mit mir nicht konntest, was es war, was ich an mir hatte, dass es dir unmöglich erschien mit mir zu reden. Was blieb war all die Stille zwischen uns.

Ich weiß nicht, ob eine Antwort auf alle diese Fragen Ruhe in mein Herz bringt, aber ich möchte die Dinge nicht ungesagt lassen, brauche den Ausdruck für meinen Seelen- und Herzensfrieden.

Ebenso weiß ich nicht, ob ich eine Antwort auf das Geschriebene haben will, habe ich allein schon beim Gedanken an unseren nächsten Kontakt, den es vielleicht nicht mal geben wird, noch ein mulmiges Gefühl und vielleicht bist du auch einfach so – sprachlos – und ich hätte das nur gerne anders. Ich weiß es wirklich nicht und bleibe selbst wortlos.

Belinda

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5 Kommentare zu “Wortlos

  1. dieser text ist schon ein weilchen aus und vielleicht haben sich die antworten für dich bereits ergeben. ich kann jedoch aus eigener erfahrung sagen: sehr oft haben sie keine antwort. nicht gestern, nicht heute, nicht morgen. wann, warum, wieso – sie wissen es nicht (wollen es nicht wissen?).

    • Keine zwei Stunden später hatte ich meine Antworten und es ist doch immer wieder fazinierend wie unterschiedlich wir selbst und andere auf die gleiche Sache schauen 🙂

      • immerhin hast du sie bekommen. ich habe mir meine über die zeit selbst zusammengereimt und erst vor einiger zeit feststellen müssen, dass er diese fragen für sich selbst noch nicht beantwortet. mich wundert nur, dass menschen mit derartig offenen fragen leben können und wollen.

      • Ja, das ist mir auch ein Rätsel. Aber am Ende gilt: Jeder nach seiner Fasson. Und eine Sache die ich auch für mich festgestellt habe ist, dass seine Antworten nicht immer diejenigen waren, die ich haben wollte und/oder mir den inneren Frieden bescherten, auch wenn es den Abschluss erleichertert hat.

      • ich hab aufgrund so einer situation mal gelernt „stelle niemals eine frage, wenn du nicht sicher bist, dass du jede mögliche antwort verkraftest.“ im nachhinein, irgendwann, hilft es. aber man soll sich zeit lassen mit dem fragen stellen, bis man die antworten aus den richtigen gründen sucht.

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