AllEinSein

Früher dachte ich immer:

Allein sein ist besser als zu Zweit sein.

Allein schon, weil es mir in Zweisamkeiten nie so gut ging, wie ohne. Es war schön ja, aber es war auch anstrengend und ich konnte nicht ganz ich sein, zu mir stehen. Ich dachte, ich muss mehr sein als ich bin und geben als ich kann. Dann kam TH in mein Leben, in mein Herz, bis sich schließlich unsere Seele verbanden. Mit ihm konnte ich ein Zusammensein leben, wie ich es mir in meinen kühnsten Träumen vorher nicht hätte ausmalen können: Ich bin in dieser Zeit bei mir angekommen, konnte innerlich heilen, lernte zu lieben und wieder geliebt zu werden. Und ich weiß rückblickend mit Ausrichtung auf die Zukunft, das noch weit mehr für mich möglich ist, es noch besser geht und dass das Leben beim nächsten Herzenspartner noch eine Schippe drauflegt und ich freue mich darüber.

Gleichzeitig lernte ich in dieser Wahnsinnszeit, dass sich Zweisam sein, wie zu Hause sein anfühlen kann.
Und so denke ich heute:

Zu Zweit sein ist besser als Allein sein.

Noch. Denn: Seit TH nicht mehr in meinem Leben ist, ist mir klar geworden, dass ich bisher noch nie wirklich alleine war. Immer war jemanden nah bei mir, an mir dran, ganz exklusiv – ob einen Freund, eine Freundin, einen Partner oder ein Familienmitglied – immer war da jemand mit dem ich mich verbinden konnte, der mein Fixpunkt war. Und dieses Verbundensein war für mich Normalität und so war mir gar nicht bewusst, dass dieses gleichzeitig einen blinden Fleck in meiner Seele verdeckte, mich schützte vor einem alten Gefühl: Der Einsamkeit, einer guten Bekannten des Alleinseins.

In dem Moment wo TH auszog, zog sie bei mir ein. Erst habe ich sie gar nicht bemerkt, da ich so beschäftigt war mein Leben neu zu strukturieren und zu organisieren. Außerdem hat sie sich gut hinter der Traurigkeit versteckt. Nur ab und zu hat sie hinter ihr vorgelukt. Und als die Traurigkeit verflogen war, konnte sich die Einsamkeit nicht mehr hinter ihr und ich mich nicht mehr hinter einer Verbindung mit einem Menschen verstecken. Und als wir uns so gegenüberstanden – uns erkannten – wurde uns klar, dass wir uns schon unser ganzes Leben begleiten ohne uns je einander ganz offen, pur gezeigt zu haben. Wir hatten beide Angst und Schwierigkeiten uns anzunehmen:

Liebe Einsamkeit – das erste Mal in meinem Leben habe ich dich gesehen, habe dich gespürt mit jeder Faser meiner Körpers und wusste es ganz tief innen drin, du bist eine alte Bekannte von mir und auch die Vertrauteste. Dich kenne ich schon mein Leben lang, wollte dich nur nicht sehen, nicht spüren, weil die Gefühle die du mir schenkst, in mir erweckst, nicht zu denen gehören die sich wohlig anfühlen und die ich gerne um mich habe. Aber von allen anderen bisherigen Prozessen weiß ich, dass das Unangenehme nur das Gewand ist in das du dich kleidest, das der erste Eindruck oft täuscht und wenn wir uns ganz offenbaren, beide ganz nackt sind, dann ist da viel Schönes, Angenehmes drunter – etwas das keine Angst mehr macht und sich in Freude wandelt.

Aber ich spüre, so weit bin ich nicht. Noch nicht. Aktuell fühle ich mich weniger, wo alles „Schmückende“ von mir abgefallen ist und frage mich, wie ich mich nicht mehr halb, sondern ganz fühlen kann. Damit auch der (Selbst)Wert genug bekommt und wieder voll wird.

Ein liebe Kollegin, der ich von meiner Erkenntnis, das erste Mal in meinem Leben wirklich allein zu sein oder anders ausgedruckt, das erste Mal in meinem Leben wirklich nur mit mir zu sein und mir zu begegnen, meinte:

Herzlichen Glückwunsch Belinda, dass ist deine Gelegenheit jetzt erwachsen zu werden.

Balazs Kovacs Images

Da wurde mir klar, dass das was gerade passiert ein Geschenk ist: Wenn wir uns ohne unsere Gewänder zeigen und ich mich mit dir verbinde, dann wird aus dem Alleinsein ein AllEinSein und ich bin wieder ganz, ganz wertvoll. Das erste Mal in meinem Leben. Also, liebe Einsamkeit, nimm mich an die Hand, denn ein wenig Angst habe ich schon noch, aber ich bin bereit dich zu sehen und zu Erwach(s)en.

Und dann werde ich denken, fühlen und sagen: Allein sein ist wie zu Zweit sein.

Belinda

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