Glaube(n)

Vor ein paar Wochen habe ich mich mit meiner Freundin AB zum Mittag getroffen und wir kamen auf das Thema Glaube zu sprechen. Unser Gespräch hat mich noch eine Weile beschäftigt und angeregt darüber zu schreiben.

Was ist Glaube eigentlich? Und was bedeutet das Wort Glaube (für mich)?

Gemäß der Literatur stammt das Wort Glaube/n vom indogermanischen leubh ab und bedeutet soviel wie ‚begehren‘, ‚lieb haben‘, ‚für lieb erklären‘, ‚gutheißen‘, ‚loben‘. Des Weiteren bedeutet Glaube „Treue, Vertrauen“, also in etwa „Ich verlasse mich auf …, ich binde meine Existenz an …, ich bin treu zu …“. Demnach handelt es sich beim Glaube/n, neben der Verwendung im Sinne von „etwas für wahr halten“, um eine Grundhaltung des Vertrauens. (1)

Für mich bedeutet Glaube ein Gedankenkonstrukt und/oder eine emotionale Grundhaltung, welche/s mir ein lichtes Gefühl in manch dunkler Stunde vermittelt, welches wandelbar ist und sich im Laufe der Zeit sowie aufgrund verschiedener Lebensbegebenheit verändern kann.

shutterstock_SuzanneTucker

Ich folge jedoch keiner Ikone oder gehypten Vorstellung eines Wesens in einem bestimmten Himmelsreich, welches alle „Sünde“ – welche es für mich nicht gibt – von mir nimmt und für alle meine Taten, Worte und Gedanken verantwortlich ist. Denn ich bin Herrin meiner Welt und entscheide über alles was ich tue und sage eigenverantwortlich. Aber ich mag die Vorstellung, das ein Gedanke/Glaube mir hilft, mich unterstützt, mir Auftrieb gibt, wenn ich Ressourcen erschließen will, Kraft für die letzten Meter brauche und/oder mich einfach getragen fühlen möchte. Denn positive und motivierende Gedanken (aka Glaubensätze) beflügeln und beschwingen.

Wozu dient er? Was bewirkt er?

Angehörigen einer Glaubensgemeinschaft vermittelt er das Gefühl der Zusammengehörigkeit: man ist nicht allein mit seinen Sorgen, Gedanken, Gefühlen und Anliegen. Er spendet Kraft und Mut, Liebe und Verständnis. Ich selbst gehöre keiner Glaubensgemeinschaft an, auch wenn ich gerne in eine Kirche, Kathedrale oder Moschee gehe – zur Besinnung, Teilhabe, Inspiration und geistigen Versenkung und nicht zuletzt, weil ich es liebe mir so architektonisch atemberaubende Zeitzeugen anzuschauen.

Dennoch habe ich einen Glauben und das ist der Glaube an mich selbst, an die Liebe und an das Leben, das alles seine Richtigkeit hat, auch wenn es sich manchmal im ersten Moment nicht so anfühlt. Und darin besteht für mich auch die größte Wirkung des Glaubens: er spendet Trost, gibt Kraft, Hoffnung und Unterstützung.

Hat jeder einen Glauben? Wenn nicht, (wie) kann man ihn bekommen? Braucht man ihn?

Manch einer hat ihn, manch einer hätte ihn gern, manch einer sucht ihn und manch einer findet ihn. Ich „glaube“ das jeder an irgendetwas und/oder irgendwen glaubt. Und das es wichtig ist, etwas im Leben zu haben, aus dem Kraft, Mut und Zuversicht geschöpft wird, z.B. wenn sich ein ungutes Gefühl breit macht oder man Teil einer unangenehmen Erfahrung ist. Und falls jemand an nichts (mehr) glaubt oder von selbigen abgefallen ist, dann denke ich, dass der Weg zurück zum Glauben über Verstehen, Wissen und Fühlen geht. Damit meine ich, dass wenn ich innerlich weiß, das Etwas so oder so ist, kann ich auch daran glauben. Manchmal geht dieses Wissen jedoch nicht kognitiv über den Verstand im Sinne von Verstehen, sondern über das emotionale Fühlen einher. Das heißt ich spüre, sehe, höre und/oder erlebe etwas, welches in mir ein tiefes Gefühl auslöst, welches mir unumstößlich deutlich macht, dass das die (meine) Wahrheit ist – also mit mir in Resonanz geht. Wenn ich diese Erfahrung des Verstehens, Wissens und Fühlens um Etwas jedoch nicht gemacht habe, kann ich auch nicht daran glauben.

Ein anderer Weg „zum Glauben zu finden“ ist die Inspiration durch einen nahestehenden Menschen. Das können Eltern, Geschwister, Verwandte kurzum Familienmitglieder oder Freude und Partner_innen sein, durch die wir die Möglichkeit bekommen, die Welt mit anderen Augen zu sehen. Oftmals lernen wir durch die Liebe und die Gedanken des anderen neue Dinge kennen, durch die wir uns inspirieren lassen und welche wir in unser Leben übernehmen. Und dazu gehört für mich auch der Glaube.

Der für mich wichtigste Glaube ist der an sich selbst und dieser ist für mich essentiell im Leben. Denn egal was um mich herum und/oder in mir drin passiert, ich weiß dass ich mich immer habe. Daher ist es wichtig sich selbst treu zu sein, sich gut um sich selbst zu kümmern, denn du wirst dich dein ganzes Leben begleiten. Und glaub mir, dieses Selbstverständnis ist gerade in stürmigen Lebenszeiten unermesslich.

Believe

In diesem Sinne,
Eure Belinda

(1) http://de.wikipedia.org/wiki/Glaube

Und was mich jetzt noch interessiert: Wie sind deine Gedanken zu diesem Thema? Hast Du selbst einen Glauben? Wenn ja, welchen? Und/oder weißt Du, wie man „lernt“ an etwas zu glauben? Wie ist dein Glaube entstanden? Ich freue mich auf dein Kommentar.

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