Fliegende Gedanken

Das Wetter schreit nach Frühling, die Sonne erhellt den vom Winter noch kahlen Weg und der Wind liebkost die nach Berührung lechzenden Sträucher, die sich in den Himmel recken. Ich laufe mir den Kopf in der hessischen Wildnis frei und fange Gesprächsfetzen von zwei pubertierenden Mädchen auf „(…) das war das Krasseste, was mir je in meinen Leben passiert ist (…)“. Ich schmunzel und denke daran, wie klein die Welt doch damals für mich war und wie absolut sich alles anfühlte, was mir passierte. Wie sich die Dinge doch mit der Zeit ändern.

Und meine Gedanken fliegen, fliegen zu dem Moment, als ich das das erste Mal dachte.

Er verlies den Raum, das Letzte was er sagte – „Ich weiß nicht ob ich lieber mit dir oder lieber ohne dich bin.“  – hing wie kalter Qualm an der Zimmerdecke und nahm mir die Luft. Ich erstickte fast an seinen Worten und meine Gefühle schnürrten mir die Luft ab. Alles war still als er ging und ich hörte mein Herz brechen. Tränen rannen mir lautlos über die Wangen und ich dachte, ich würde es nicht überleben. Ich war 13 und das erste Mal verliebt und das erste Mal verlassen. Und ich habe es überlebt. Mein Herz hat es überlebt. Es ist wieder heil geworden und stärker. Es hat seitdem jede (verflossene) Liebe beherbergt und blieb immer offen für eine neue.

Und meine Gedanken fliegen, fliegen zu dem Moment, als ich das das letzte Mal dachte.

Ich bin 29 Jahre und sitze im Bus von Dublin nach Galway. Ich reise mit mir, bin ganz mit mir verbunden und spüre die Synchronizität meines Seins und meines Selbst – wie zwei Schablonen die nun deckungsgleich aufeinander liegen. Wohligkeit legt sich wie ein wärmender Mantel um mich und tiefe Freude steigt in mir auf. Wohin mit all dieser und der innere Glückseligkeit – wie ein lautloser Freudeschrei der meine Lungen füllt. Ich bin angekommen, fühle mich zu Hause. Ich reise wieder ab und nehme mich mit.

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Und meine Gedanken fliegen, fliegen, fliegen …

… wie die Gräser im Wind – voller Leichtigkeit tragen sie das Gestern ins Morgen und lassen offen „Wo geht’s hin?“

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8 Kommentare zu “Fliegende Gedanken

  1. Wow,
    wunderschön geschrieben!!! Danke für diesen Moment deinen Text zu lesen.
    Wie erreicht man die „Synchronizität meines Seins und meines Selbst“? Indem ich lebe, was ich bin? Ich nicht gegen meine eigene Natur / mein Selbst lebe?
    Oder geht das nur in diesem Busv on Dublin nach Galway 😉 ?
    Für Nachhilfe dankbar….

    …liebe Grüße
    Martin

    • Lieber Martin,

      dir ebenfalls vielen Dank fürs Lesen.
      Ich denke, jeder hat da seinen ganz eigenen Weg, um diesen Moment der Synchronizität zu erlangen. Sicher bin ich mir aber, dass dieser Moment bei jedem unabhängig von Zeit und Raum erreichbar ist, wenn er dem Weg der Freude und dem eigenen Herzen folgt.
      In diesem Sinne: Mutig voran, es lohnt sich 🙂

      Sonnige Grüße, Belinda

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