Ü30

Die liebe Steinchenspringerin hat mich gefragt ob sich mit 30 das Leben ändert?
Ja, das tut es. Jederzeit. Alles befindet sich im Wandel. Stetig.

Bis vor ein paar Monaten, war die 30 überhaupt kein Thema für mich. Das Alter und/oder älter werden, hatte und hat für mich keine wirkliche Relevanz. Stattdessen finde ich tatsächlich entsprechend dem Sprichwort

„Nicht das Alter bestimmt den Charakter,
sondern der Charakter bestimmt das Alter.“

Und so bin ich bereits seit Anfang 20 laut meines Exfreundes wie 30, welche nun auch offiziell anhand meines Personalausweises ersichtlich wird.
Und so war sie plötzlich greifbar nah und ich freute mich auf diese Zahl, denn die Zwanziger waren lang genug und angefüllt mit lauter tollen, bereichernden, bewegenden, aber auch anstrengenden und erkenntnisreichen Begebenheiten, welche nun im Präterium liegen.
Und dann wurde ich 30 und merkte, dass mich auf einmal Panik beschlich – keine Midlifecrisis, sondern etwas Existenzielles. Auf einmal war da die Frage

„Wie geht es jetzt weiter?“

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Schließlich war mein Leben bisher immer sehr strukturiert und folgte einem sehr linearen Plan:

  • Abitur machen
  • Studienbeginn 1
  • Semesterferien für Praktika nutzen
  • Studienabschluss 1
  • Studienbeginn 2
  • Semesterferien für Praktika nutzen
  • Studienabschluss 2
  • Einstieg ins Erwachsenen-, ähm ich meine, Berufsleben als Vollzeitserwerbstätige

Zwischendrin fand dann immer wieder Leben statt. In abgespeckter Version, so dass meine Seele kollabierte. All diese Leistungsorientierung und Identifikation mit irgendwelchen Rollen an Stelle des eigenen Seins. Obwohl ich noch nicht mal hätte sagen können, was das und wer ich eigentlich bin, wenn alles andere wegfällt, der Lack ab ist.

Dieses „Abblättern“ begann dann jedoch im letzten Jahr, u.a. mit meiner Trennung und schreitet in diesem Jahr weiter voran (Beendigung meiner Ausbildung und Abschied von meiner aktuellen Arbeitsstelle), so dass alles was aus den „20igern“ noch übrig ist, wie eine Schlangenhaut abgestrichen wird.

Tja und für Ü30 gibt es nur einen Plan und der heißt „keinen Plan“ zu haben und das fühlt sich für mich, nach einem bisher sehr durchgeplanten und damit kontrollierten Leben, an wie eine dunkle Wolke die beängstigend an meinem Himmel thront, grollt und donnert und keinen Blick nach Vorne, in die Zukunft, zulässt.

Nackig, namenlos und jungfräulich liegt die Ü30 vor mir.

Wir kennen einander noch nicht und wissen nicht,

  • was uns erwartet,
  • wo uns die Reise hinführt und
  • wie es sich anfühlen wird,
  • wer uns begegnet,
  • wer uns verlässt,
  • ob wir Eltern werden oder
  • doch kinderlos bleiben,
  • welche(r) Beruf(ung) auf uns wartet,
  • ob wir sie leben,
  • wo wir Wurzeln schlagen,
  • ob wir ankommen werden – im Selbst und
  • ob wir ein Zuhause finden – im Herzen

Es sind Fragen die aufkommen, Sicherheitsnetze die wegfallen. Das Vertraute wird durch das Unbekannte abgelöst und alles was es jetzt braucht, ist Entdeckergeist und Abenteuerlust gewürzt mit einer Prise Mut. Dann ist Ankommen vorprogrammiert und Antworten steigen auf – bis, tja bis sie da ist. Sie, die 40.

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7 Kommentare zu “Ü30

  1. ohh =))))))
    Ich lese es jetzt erst, entschuldige! Ich lese deine schönen Worte über dein Leben und freue mich. Es macht mir Mut! (Bin ja erst in ein paar Jahren 30) Und der Gedanke vor vorne anzufangen ist auch schön =) Jeder neue Schritt in eine andere Richtung ist ein guter Schritt. Da du so die Augen für Neues offen hast und viele schöne Dinge entdecken wirst. Dafür dir alles alles Liebe! Du schaffst das =)

  2. Hallo Belinda,

    ich teile deine Gedanken zur 30, die ich selbst erst vor ziemlich genau 6 Monaten in meinem Leben begrüßen durfte. Vermutlich ist dieses Jahrzehnt das entscheidende für das weitere Leben, mit Themen wie Familie gründen, Beruf(-ung) (neu) finden, sesshaft werden und der Entscheidung, wer und was einem bisher gut getan hat und was eher nicht. Von dem trennt man sich dann, sofern man den Mut und die Kraft aufbringt. Habe bisher die Erfahrung gemacht, dass es sich lohnt nicht nur im Schrank, sondern auch im (sozialen) Leben auszumisten. So entsteht Platz für Neues, es wird Energie frei, die wir auf die wichtigen Fragen für die Zukunft verwenden können. Einmal ohne Plan das Leben zu führen bietet ja auch die Chance, Dinge auszuprobieren und Erfahrungen zu machen, die man sich zuvor vielleicht wegen anderer Ziele/Prioritäten versagt hat. So habe ich beispielsweise schon kurz vor der 30 meine Höhenangst überwunden (was echt nicht leicht war), um in einem Hochseilklettergarten auf über 20 Metern das Adrenalin zu spüren. Lass uns die 30 und das was kommt genießen, dann können uns auch Tiefschläge nicht so sehr treffen.

    Wünsche dir eine wundervolle Zukunft.
    Viele liebe Grüße, Silke

  3. ich weiß noch gar nicht, was cih von der 3 halten soll. sie macht mich nervös. irgendwie will ich es schaffen, auch an den punkt zu kommen, an dem du bist. denn es geht mir nicht gut mit dem ganzen planen und erwarten, von mir selbst, andere von mir, ich von anderen.

  4. Ich verstehe dich gut, das Jahr 2015 ist zudem das Jahr der Veränderungen und Weiterentwicklungen. Ich spüre das schon sehr deutlich. Innerhalb kürzester Zeit hat sich mein soziales Umfeld verändert. Nicht mal der Postler, der die Kanzlei meines Vaters (wo ich arbeite) 25 Jahre lang treu betreut hat, ist geblieben. Ihm wurde ein neues Zustellgebiet zugeteilt worden…

    Ich freue mich auf das Neue, was auf mich wartet. Bin schon über 30 und habe noch soooo viel vor..

    Du findest Deinen Weg sicher auch im neuen Lebensjahrzehnt. 🙂

    Liebe Grüße,

    Caroline

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