Beziehungskoma

Bei einem Spaziergang wurde es mir plötzlich klar- bevor wir auseinander gingen, haben wir uns circa ein Jahr im Beziehungskoma befunden. Unsere Beziehung fiel in einen tiefen, traumlosen Schlaf – einen Zustand der Bewusstlosigkeit, der Unbeweglichkeit, der Handlungsunfähigkeit.

So verbrachten wir den Alltag miteinander – Tag ein, Tag aus – bewusstlos.

Standen da, wussten weder vor, noch zurück – unbeweglich.

Und versuchten dies und jenes – jedoch ohne wirklich etwas zu tun, etwas zu verändern – handlungsunfähig.

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Wir waren da. Wir waren zusammen. Wir lebten miteinander. Wir liebten einander.
Aber wir waren nicht mehr lebendig. Das Freisein der Seele, das im Leben sein, das sich austauschen wurde durch monotones, automatisches Atmen ersetzt.
Unserer Beziehung ging langsam aber stetig der Atem aus. Uns ging der Atem aus.

Ich habe immer wieder versucht uns (wieder) zu beleben. Aber am Ende enscheidet nicht nur der Körper, ob er leben will, sondern auch die Seele, ob sie erwachen will. Deine Seele wollte nicht. Und eine Beziehung, die nur von einem Menschen gelebt und am Leben erhalten wird, steht auf sehr unsicherem Boden.

Und so wich der letzte Atemzug aus dem Wir. Beziehungstod.
Unsere Beziehung schlief friedlich ein- in dem Wissen, alles versucht und gegeben, nichts verpasst oder versäumt und alles ausgetauscht zu haben, was es auszutauschen gab.
Hier endete unserer Weg. Jeder ging nun seinen eigenen.

Und in dem Moment, in dem die Beziehung starb, wurde ich wiedergeboren. Ich erwachte, meine Seele erwachte, ich fand ins Leben zurück und bin dafür sowie für so vieles mehr unendlich dankbar. Es hätte mir nichts Besseres passieren können, denn im Tod ist der Neubeginn enthalten, welcher mich sanft an die Hand nahm und in eine verheißungsvolle Zukunfte führte.

Und so stehe ich hier nun – bewusst, beweglich, handlungsfähig.
Atme tief das Leben in mich ein und schreite weiter voran.

———————————————

Was mir jedoch noch nicht klar ist, wie kommt das Beziehungskoma zustande? Passiert es einfach so, ohne das man darauf Einfluss hat? Wann verpasst man den Moment bevor eine Beziehung ins Koma fällt? Was passiert, wenn es passiert? Gibt es unterschiedliche Formen – von leicht bis schwer? Was kann man dann machen? Wie kann man sie sich bewusst machen? Was braucht sie, um wieder ins Leben zurück zu finden? Oder ist es wie beim „regulären“ Koma, die Wahrscheinlichkeit des Erwachens ist schwindend gering? Antworten erwünscht!

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18 Kommentare zu “Beziehungskoma

  1. Nach meiner Erfahrung entsteht dieses Koma entweder, wenn alles zu selbstverständlich wird und man sich nicht mehr genug um einander bemüht. Oder wenn (zumindest einer der beiden) fast ausschließlich das WIR lebt, aber dabei das ICH und DU vernachlässigt. So war es zumindest nach etwa 3 Jahren in meiner Beziehung, ein wenig beeinflusst durch ziemlich viele berufliche Probleme habe ich diesen Zustand erst sehr spät bemerkt. Mit psychologischer Hilfe und vielen offenen Gesprächen haben wir inzwischen eine gute Balance zwischen gemeinsamen und getrennten Aktivitäten, ohne schlechtes Gewissen oder emotionale Zusammenbrüche, gefunden. Die Beziehung stand sehr nah an der Klippe, doch wir haben gemeinsam den Weg zurück in ein erfülltes Paarleben geschafft. Das war nur mit sehr viel Verständnis von seiner Seite und sehr viel Arbeit im persönlichen/emotionalen Bereich von mir möglich, doch ich bin über alle Maßen froh, die Energie darin investiert zu haben. Inzwischen sind wir beide sehr glücklich und zufrieden, dass wir sogar gemeinsam entwickelte und getragene Zukunftspläne schmieden. Dennoch gilt es regelmäßig darauf zu achten, dass das ganze ICH/DU/WIR Konstrukt im Gleichgewicht bleibt bzw. man bewusst eine zeitlang den Schwerpunkt verlagert. Nichts ist für eine Beziehung schlimmer, als sich unbewusst einschleichende Verhaltensweisen/Denkmuster.

    Hoffe sehr, dass du erst für dich Glück und Zufriedenheit findest, die du dann mit einem Partner teilen kannst, der dir gut tut.

    • Liebe Silke,

      vielen Dank, dass du mir einen Einblick in dein Leben gewährst. Das weiß ich zu schätzen!
      Ergänzen möchte ich bei folgendem Satz von dir „Oder wenn (zumindest einer der beiden) fast ausschließlich das WIR lebt, aber dabei das ICH und DU vernachlässigt.“ Oder wenn ausschließlich das ICH von einem der beiden Personen gelebt wird. Ich bin definitiv kein symbiotischer Mensch, der sich durch eine Beziehung definiert und nur das WIR lebt. Es ist sogar eher so, dass ich manchmal viel glücklicher alleine bin, weil ich ehrlich gesagt unheimlich gerne mit mir zusammen lebe 😉 Daher ist deine Hoffnung für mich bereits erfüllt 🙂

      Ich freue mich sehr für dich/euch und wünsche euch weiterhin den Mut, gemeinsam voran zu schreiten und die Kraft – denn ganz ehrlich, eine Beziehung in der mann/frau ständig vom anderen gespiegelt wird, ist nicht imnmer ein Zuckerschlecken, gehört aber einfach dazu.

      Herzliche Umarmung für dich, Belinda

      • Hallo Belinda,

        vielen Dank für deine lieben Wünsche und den Austausch zu diesem Thema. Es tut gut auch andere Erfahrungen mitgeteilt zu bekommen, dann sieht man die eigenen in einem anderen Licht. Inzwischen habe ich gelernt, gerne mit mir zusammen zu sein und meinen Bedürfnissen nachzugehen, so wie ich es zuvor als Single getan habe, ganz ohne schlechtes Gewissen dem DU gegenüber. Mein Antrieb war, es anders und vor allem besser/richtiger als die anderen Pärchen in meinem Umfeld zu machen, die sich teils doch schon sehr selbstverständlich geworden waren. Doch wie in anderen Lebensbereichen auch habe ich gelernt, dass Perfektion nicht immer möglich oder erstrebenswert ist.

        Ganz liebe Grüße, Silke

  2. die beziehung und das gegenüber niemals als selbstverständlich annehmen, sich immer bewusst sein, warum man mit dem anderen zusammen ist. ich glaube, das kann dieses koma verhindern. das koma resultiert aus gleichgültigkeit, die sich im alltag einschleicht, wenn man die wertschätzung des gegenübers verlernt.

    • Liebe Paleica, danke für deinen Tipp. Bei mir/uns war das was anderes, was ich nicht in Worte fassen kann – da war immer ganz viel Bewusstheit (vielleicht sogar zu viel) und Wertschätzung – auch nach der Trennung. Aber bei andere ist das, was du beschrieben hast, auf jeden Fall auch zu treffend und habe ich schon oft beobachtet – so als wäre der Partner ein Möbelstück im (Beziehungs)Haus, hat seinen Platz und ist halt da 🙂

      • du hast sicher recht, dass das bei jedem individuell ist… bei mir konnte ich das ganz stark beobachten – bzw. vor allem bei meinem damaligen gegenüber. wenn das bekannte selbstverständlich wird, wird das „fremde“ interessant.
        es wäre sicherlich spannend, wenn du das für dich auch noch herausfinden könntest. ich finde erkenntnis in solche belangen immer irgendwie hilfreich.

      • Ja da hast du recht. Und falls ich keine Antwort finde, wünsche ich uns einfach nur, dass wir es beim nächsten Mal spüren/merken/mitbekommen und darauf reagieren können. Außer es soll so sein, denn sonst wäre es anders 🙂

      • ich glaube fest daran, dass einem so etwas nicht zweimal passiert, wenn man es nicht will. ich schätze, dass viel am willen beider parteien liegt. und wenn eine nicht mehr will (wie du beschrieben hast) nützt alles bemerken nichts. ich drücke dir also einfach die daumen, dass ihr beide wollt – dann wirst du bestimmt nicht nochmal in so eine situation kommen!

  3. Puh schwierige Frage… Kenne das Beziehungskoma auch und würde rückblickend sagen: Unsere Beziehung starb in dem Moment als wir mehr an uns selbst, als an den anderen gedacht haben. Und aufgehört haben, darüber zu reden, wie es uns wirklich geht.
    Was denkst du??

    • Ja find ich auch – also dass das ne schwierige Frage ist. Für meinen Fall – der natürlich nur die eine Seite der Medaille der Beziehung(sicht) darstellt – lag es daran, dass er sich nicht geöffnet hat, er hat einfach nicht mit mir gesprochen. Und da gab es sicherlich etwas in ihm, was etwas anders wollte, aber nicht anders konnte. Denn für meinen Teil habe ich alles gemacht, geredet, geschwiegen, geschrieben, gewütet, gelacht – aber dann irgendwann hab ich aufgehört, aufgehört zu reden, zu schweigen, zu schreien, zu wüten und zu lachen. Und vorallem hab ich aufgehört diese bestimmte Rolle in unserer Beziehung auszufüllen, die alles zusammen gehalten hat. Das war dann das Ende. Und das war gut so!

      • Ja das versteh ich gut! Hatte in meiner Beziehung auch die komplette Verantwortung – und er hat es sich darin bequem gemacht. Irgendwann hab ich damit aufgehört und an mich gedacht – und alles brach auseinander..
        Wie lange ists bei dir her? Habt ihr noch Kontakt?

      • Das sind jetzt 1 1/2 Jahre her und ist definitiv durch für mich, also mein Herz ist ganz frei. Ja wir haben sporadisch Kontakt, gratulieren uns zum Geburtstag und schreiben uns wenn uns danach ist. Hatten vier wundervolle Jahre zusammen, die von sehr viel Respekt, Achtsamkeit und Liebe gekennzeichnet waren. Daher gab es auch keinen Grund nicht weiter respektvoll miteinander umzugehen, vorallem weil wir ab und zu noch an den anderen denken. Das finde ich immer schade, wenn das nach der Beziehung anders ist, weil das alles, was davor war, so abwertet. Wie zum Beipiel der Passus „Wir sind gescheitert.“ oder „Die Ehe/Beziehung ist gescheitert“. Bullshit! Schließlich war Mann/Frau und Frau/Mann ja vorher in Liebe zusammen.

      • Ja das stimmt! Ist natürlich der Idealfall, wenn man in Liebe und Respekt auseinander geht! Glaube aber, dass das leider nicht die Regel ist…
        Musste gerade an Gwyneth Paltrows ‚bewusstes entpaaren‘ denken ☺️ hast du davon gehört?
        Schön, dass bei euch alles so friedlich ist / war!

      • So wie ich es verstanden habe, meint sie damit, sich als Paar spirituell zu trennen- aber in Freundschaft und Respekt verbunden zu bleiben.
        Leider gibt es nur wenige ernsthafte Artikel darüber, weil das ganze ziemlich durch den Kakao gezogen wurde 😕

      • Das klingt ganz zauberhaft und ist definitiv mein Wunsch, wie Menschen (generell) miteinander umgehen sollten. Vor allem, wenn Kindern mit im Spiel sind, werde nach manchen Trennungen Erwachsene wieder zu Kindern… aber das ist ein anderes Thema.

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