Segel setzen

Nach meinem Eintritt in das 30. Lebensjahr setzten sich die fehlende Puzzleteile zusammen, ergaben ein Ganzes und

Mein freies Herz, flog endlich leicht.

Ab diesem Moment wusste ich, dass das Jahr nicht so weiter gehen würde, wie ich es bisher wahrgenommen hatte: Letztes Jahr passierten ständig aufregende Dinge in meinem Leben und dieses Jahr fühlte ich mich lediglich als Zaungast im Leben anderer. Das war zeitweise sehr interessant und aufschlussreich, jedoch auch etwas langweilig für mich. Oft hatte ich das Gefühl, dass nichts in meinem Leben passieren würde. Meine Herzmenschen meinten daraufhin zu mir:
„Belinda, vielleicht ist das nur die Ruhe vor dem Sturm.“ Maybe.

Und dann drehte sich der Wind.

Segelsetzen

Ich wurde wieder geselliger, ging mehr raus, unternahm mehr, spürte wie viele tolle und liebe Herzmenschen ich mittlerweile um mich rum hatte, die mir gut taten und ich ihnen ebenso. Ich bewegte mich mehr, ernährte mich besser – intuitiv. Ich hörte auf meinen Körper und war mehr denn je mit ihm verbunden. Es fühlte sich alles so stimmig und richtig an. Was ich gebraucht habe, das habe ich mir gegeben und tue das nach wie vor. Die (innere) Balance war wieder hergestellt.

Dennoch war da diese Sehnsucht.
Die Sehnsucht nach einem gleichwertigen Gegenüber auf Augenhöhe.

Dieser (Wunsch)Gedanke begleitete mich das gesamte erste Halbjahr und trug – bis auf die magnetische Begegnung Anfang des Jahres – wenig bis keine Früchte. Damit war klar: Wenn ich mit diesem Denken bisher nicht bekommen habe, was ich wollte, dann muss ich mein Denken ändern, damit ich erhalte, was ich mir wünsche. Gesagt, getan.

Gedanken losgelassen.

Und schwups hatte ich direkt am nächsten Tag eine tolle, unterhaltsame und anregende Begegnung mit J. – halb Amerikaner/halb Koreaner. Er war der erste Mann seit Januar, der mein Interesse weckte, den ich spannend fand. Aber das Leben hatte auch in diesem Fall andere Pläne für mich. Daher blieb es bei einer bereichernden Begegnung, die mich lächelnd zurück lies und mit besserem Englisch. Ebenso hatte ich am selben Tag eine Mail in meinem Postfach von jemandem der mir mitteilte, er würde mich gerne kennenlernen. Dieses Bedürfnis beruhte jedoch nicht auf Gegenseitigkeit und so bedankte ich mich bei ihm und teilte ihm mit, dass das aktuell nicht meinem Interesse entsprach. Etwas mehr als eine Woche später traf ich mich mit meiner Freundin und ich erzählte ihr von meinen (inneren) Geschehnissen. Daraufhin erwiderte sie, dass sie erst einen Tag zuvor von mir gesprochen hätte. Verwundert frage ich nach. Sie meinte, dass ihr Bruder und ich doch gut zusammen passen würden…

…und so nahm das Leben seinen Lauf.

Seit Anfang der Woche schreiben wir miteinander – er hat mich sehr freundlich kontaktiert – und sind für die kommende Woche für eine Fahrradtour verabredet. Mein erstes Date seit 6! Jahren. Ich fühle mich wie eine 13jährige, die keinen Plan von gar nichts hat und aufgeregt durchs Leben hüpft. Und dann ist da noch die Erwachsene in mir, die das Gedankenkarusell angeschmissen hat und sich verschiedenste Szenarien ausmalt, wie was werden könnte. Und die vorsichtig ist, Angst hat zu weit aufzumachen, verletzt zu werden, Erwartungen und Hoffnungen beim Gegenüber zu schüren, die sie nicht erfüllen will und/oder kann.

Er ist sehr interessiert, aufmerksam und kommunikativ, steht mit beiden Beinen im Leben, hat seine eigene Wohnung und liebt seine Arbeit. Komisch, denn – auch wenn sich das jetzt vielleicht merkwürdig für die/den ein oder andere/n Leser/in anhört äh ich meine liest – es fühlt sich für mich so an, als habe ich mein erstes Date als Frau mit einem Mann. Denn vorher war ich Studentin, die sich in einen Studenten verliebte, mit ihm zusammen war, irgendwann in einer gemeinsamen Wohnung mit ihm lebte, dann ins Arbeitsleben einstieg und er studierte weiter, bis sich unsere Wege trennten. Das fühlte sich nicht so erwachsen an wie jetzt, auch wenn wir damals schon Erwachsene waren. Außerdem bin ich es nicht (mehr) gewohnt, dass ein Mann so aufmerksam und zugewandt ist. Daher war ich am Anfang auch sehr zurückhaltend, wollte nur unser Treffen absprechen und den Rest dann im „Reallife“ angehen, da mir doch noch essentielle Informationen fehlten:

Meine Top 5 Kriterien für den für mich passenden Mann:
(mit Gedanken an Lilia’s Top 5 🙂 )

  1. Fühlt sich seine Stimme gut in meinem Ohr an?
  2. Mag ich sein Lachen?
  3. Gefallen mir seine Hände und hat er gepflegte Zähne?
  4. Mag ich wie er riecht? (nicht sein Parfüm, sondern seine Haut)
  5. Schmecken mir seine Küsse? (Das ist dann für die absolut fortgeschrittene Phase :))

Aber wisst ihr was – ich bin neugierig und habe keine Angst mich zu zeigen wie ich bin!
Daher setzte ich meine Segel – auf zu neuen Ufern und finde dort Antworten auf meine Fragen.

Möge der Wind sich erneut drehen und meine Segel in die richtige (Lebens)Richtung setzen!

Eure aufgeregte und spätpubertierende Belinda 🙂

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2 Kommentare zu “Segel setzen

  1. Hallo Belinda,

    ich freue mich so für dich. Bei mir war es auch so, vermittelt wurde er mir über eine gemeinsame Freundin und ich war gerade in einer Phase, in der ich mich als Single recht wohl fühlte. In einem Moment, in dem ich nicht intensiv suchte und alles auf mich zukommen ließ. Genau das rate ich dir auch, aber ich glaube du machst das schon intuitiv so: lass alles auf dich zukommen, nimm die schönen Momente mit und versuch das Kopfkino im Zaum zu halten. Hat bei mir alles in allem gut funktioniert, so ganz kann man es ja doch nicht lassen.

    Kann den Punkt mit dem Erwachsen sein sehr gut nachempfinden, mir war es auch immer wichtig jemanden an meiner Seite zu haben, der ein gefestigtes eigenes Leben hat und nicht planlos in den Tag hineinlebt. Wenn die Lebensmodelle zu weit auseinander liegen, funktioniert es auf Dauer nicht.

    Drücke dir alle Daumen und wünsche dir schöne Momente / Erfahrungen.
    Viele liebe Grüße, Silke

    • Liebe Silke,

      und ich mich erst 🙂 Wir haben schon telefoniert und schreiben jeden Tag. Es fühlt sich so natürlich und vertraut an. Daher bin ich sehr gespannt wie es bei unserem Treffen wird.
      Den Aspekt mit den Lebensmodellen finde ich auch essentiell, vor allem weil damit einhergeht, dass beide ein gemeinsames Lebensziel benötigen, damit die Beziehung funktioniert.
      Aber so weit denke ich jetzt noch nicht. Erst mal Schauen, was passiert 🙂

      Sonnige Grüße
      Belinda

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