Let’s talk about sex, baby

Ja, ich möchte jetzt ansprechen, worüber wenig (ehrlich) geredet wird – leider oftmals auch mit dem eigenen Partner: die liebe- und lustvolle körperliche Interaktion miteinander (= Sexualität). Ich schreibe gerade an meiner Abschlussarbeit zur psychologischen Beraterin, welche das Thema Sexualität und Beziehung behandelt. Im Rahmen dieser und mit Blick auf meine eigenen Erfahrungen stelle ich immer wieder fest: Sexualität beeinflusst unsere Beziehung und unsere Beziehung beeinflusst unsere Sexualität. Sie fungiert damit als Seismograph der Beziehung. Anhand ihrer kann viel abgelesen, gefördert und beeinflusst werden, ebenso wie behindert und gehemmt.

Lange Zeit wurde Sexualität vorrangig mit Fortpflanzung gleichgesetzt, wobei wir unser ganzes Leben sexuell, aber nur eine bestimmte Zeit fortpflanzungsfähig sind. Dadurch wurde völlig verkannt, dass Sexualität neben der Reproduktionsfunktion vor allem eine Kommunikationsfunktion inne hat: Sie ist (körperlicher) Ausdruck unser Selbst, unser (Grund)Bedürfnisse und Wünsche nach Nähe, Anerkennung, Selbstbestätigung etc. Sie dient zur Verständigung mit unserem Partner und sagt so viel mehr als manch gesprochenes Wort.

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Ich hatte Beziehungen in denen es vor allem im Bett funktioniert hat, aber Zwischenmenschlich fehlte etwas. Damals dachte ich noch: Wenn es im Bett funktioniert, dann funktioniert es auch in der Beziehung. Weit gefehlt.

Ebenso hatte ich Beziehungen in denen es Zwischenmenschlich ganz wunderbar war, aber irgendwie im Bett nicht gepasst hat. Auch hier nahm ich an: Wenn sonst alles funktioniert, Sex ist ja nicht das Wichtigste. Und auch hier gilt für mich: Weit gefehlt.

Es muss Beides stimmen: das Zwischenmenschliche und das Sexuelle. Ich lebe ja nicht mit meinem  platonischen Freund und/oder Bruder zusammen, sondern wünsche mir einen ebenbürtigen Herzenspartner auf Augenhöhe mit dem ich eine freud-, liebe und auch lustvolle Liebesbeziehung führen kann. Es mag durchaus sein und ist statistisch bewiesen, dass das sexuelle Interaktionslevel zu Beginn einer Beziehung deutlich höher ist und sich dann im Rahmen von fünf Jahren stabilisiert. Sicherlich verändert sich auch die Bedeutung und der Stellenwert, die/der dem Sex zu Beginn und im Laufe einer Beziehung beigemessen wird. Dennoch halte ich es für essentiell, dass Kommunikation mit dem Partner auch auf körperlicher Ebene stattfindet. Denn in kaum einem Moment sind wir einander so nah, zeigen uns – auch im übertragenen Sinne – so nackt, verletzlich und offen, wie im Moment der Verschmelzung. Und was gibt es Wichtigeres als sich dem Partner zu offenbaren und  somit eine wirkliche und tiefgehende, authentische Begegnung und Beziehung zu ermöglichen und einzugehen?

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Für mich gehört diese Art der körperlichen Liebessprache zu einer Beziehung dazu. Ebenso wie das darüber Reden, sich austauschen über das was mann/frau mag, welche Wünsche, Sehnsüchte und Phantasien mann/frau hat und auch immer wieder währenddessen der ehrliche Dialog darüber „Fühlt sich das jetzt gut an?“;  „Mag ich das?“, „Brauche ich das jetzt anders und wie?“ Dazu gehört auch, dass mann/frau sich selbst, seinen Körper und Bedürfnisse gut kennt, ehrlich mit sich und seinem gegenüber ist und sich nicht scheut, etwas so Natürliches – welches leider noch immer in unserer heutigen Gesellschaft sehr tabuisiert ist  – anzusprechen und (aus) zu leben! Wir haben nur dieses eine Leben und wir sollten es so lustvoll wie nur möglich verbringen.

In diesem Sinne ein liebe- und lustvolles Dankeschön an alle Menschen, von denen ich (etwas über mich) lernen konnte, ebenso wie an dich, der mir gezeigt hat, das beides – Zwischenmenschliches und Sexualität – auf höchstem Maß miteinander verbunden gelebt werden kann.

Stürmt die Betten, redet frei und lasst es euch gut gehen!

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6 Kommentare zu “Let’s talk about sex, baby

  1. Sex ist die Quelle

     

    „Sex kann dir die Antwort auf die Frage geben, was die Lebenswirklichkeit ist, denn Sex ist das Allerlebendigste in dir. Der Verstand ist vollkommen tot, und Sex ist das Lebendigste. Darum ist der Verstand immer gegen Sex und immer dafür, ihn zu unterdrücken. Sie sind Feinde. Der Verstand ist ein totes Ding und Sex ist die Quelle des Lebens, sie kämpfen ständig miteinander. Und immer wenn du dich sexuell fühlst, ist der Verstand frustriert und sagt: ‚Das ist falsch. Geh nicht wieder in diese Richtung.‘

     

    Der Verstand wird zum Moralisten, der Verstand wird puritanisch, der Verstand wird zum Priester. Der Verstand verurteilt fortwährend. Der Verstand verurteilt fortwährend alles Lebendige, und alles Tote verehrt er. Und Sex ist das Allerlebendigste in dir, denn durch ihn entsteht Leben: du bist aus ihm geboren, du kannst durch ihn gebären. Alles Leben, alle Lebendigkeit: die Quelle ist Sex.“

     

    ~ Osho

    • Ich danke dir für diese Inspiration und Sichtweise. Da klingt etwas in mir an, wenn ich das lese.
      Immer wenn sich der Verstand einschaltet und beurTEILT, sind wir weg aus dem Jetzt, der Wertfreiheit und den Gefühlen.
      Und Leben ist Jetzt, ist Lieben – und Sex gehört definitiv dazu.

  2. Hallo Belinda,

    vielen Dank, dass du dich einem so persönlichen und leider viel zu sehr tabuisierten Thema unserer Gesellschaft widmest. Da ich mit meinem Liebsten die erste echte Beziehung mit sexueller Aktivität eingegangen bin, fehlte mir eine Menge Erfahrung und das Wissen, was mir gefällt. Dennoch haben wir von Anfang an viel miteinander geredet und das auch sehr offen, das hat mir Vertrauen und Sicherheit gegeben, es einfach auszuprobieren. Dennoch war oft der Kopf im Weg, der es für ihn schön und nichts „falsch“ machen wollte, was natürlich völliger Quatsch ist. Inzwischen hat es sich bei uns gut eingespielt und ich kann mich mehr entspannen.

    Gebe dir völlig recht, dass eine Beziehung sowohl aus dem zwischenmenschlichen als auch dem sexuellen Zusammenspiel besteht und beides im Einklang sein muss. Habe auch in schwierigen Phasen gemerkt, dass das eine auf das andere Einfluss nimmt, dann darf man nicht den Fehler machen, es zu erzwingen. Alles in allem helfen offene Gespräche darüber und vielleicht noch der Austausch mit sehr engen Freunden, um die eigene Situation besser einordnen zu können, wenn man so wie ich wenig Erfahrung damit hat, was „normal“ ist und was ein Zeichen für Probleme.

    Wünsche dir weiterhin eine erfüllte Beziehung mit deinem Liebsten.
    Viele liebe Grüße, Silke

    • Liebe Silke,

      und dir vielen Dank für deine Offenheit und das Teilhabenlassen an deinen Erfahrungen. Daher mag ich den Austausch hier so gerne, weil doch jeder eine andere Sichtweise einbringt, die dann auch meinen Geist wieder weitete! Vielen Dank, dafür! Ebenso für diesen zauberhaften Wunsch, den ich auch dir wünsche!

      Alles Liebe
      Belinda

  3. Liebe Belinda,

    vielen Dank für deine feinsinnigen und tiefgründigen Zeilen.

    Es ist, als habe sich in den Jahren der sexuellen Befreiung nichts geändert, beide Geschlechter definieren sich immer noch anhand der historischen Entwicklung und der vermeintlichen Stellung im Sozialgefüge.

    Der Mann bringt seine Verbundenheit zu Frauen, auch seine Liebe zur Partnerin, überwiegend durch sexuelle Erregung zum Ausdruck. Er hat es oftmals nicht anders gelernt, als darüber seine Gefühle zu transportieren. Da erscheint es wie eine Ironie des Schicksals, dass der Mann über den Sex zu der Erkenntnis kommt, dass er sich nach Liebe sehnt, während die Frau daran, dass sie geliebt hat merkt, dass sie Lust auf Sex hat.

    Diese unteschiedlichen und unbewussten haltungen lassen sich, wie von dir so schön beschrieben, am besten auf kommunikativer Ebene lösen. Klappt es mit der Kommunikation zwischen den Partnern, wird die Leidenschaft stärker und die intimen Stunden erfreulicher – das wirkt sich positiv auf die gesamte Beziehung aus.

    So kann ich deinen Schlusssatz nur unterstreichen 🙂

    Liebe Grüsse, Xaver

    • Lieber Xaver,

      vielen Dank für das Teilen deiner Gedanken und Ansichten dazu. Deine Wahrnehmung deckt sich auch mit meiner und ist ganz genauso auch in der wissenschaftlichen Literatur zu finden. Es ist doch wirklich interessant wie sehr ein so „alltägliches“ Thema so gar nicht sichtbar wird in unserer Gesellschaft, Freundschaften und eben manchmal auch Beziehungen. Ich bin gespannt wo sich das hinentwickelt. Vor allem mit Blick auf die zunehmenden Anforderungen im Alltag, kann eine ehrliche und liebe- sowie lustvolle Sexualität als Kraftquelle genutzt werden, um wieder ganz bei sich anzukommen und sich Gutes zu tun.

      Liebste Grüße,
      Belinda

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